Eigentlich ist Avatar ein Sci-Fi-Spektakel der Superlative. Eigentlich. Doch der wilde Westen lebt Ende 2009 mehr denn je.
Jahrzehnte nach Winnetou und Old Shatterhand ist es Ende 2009 abermals das bewährte Westernschema, dass der Filmbranche neues Leben einhaucht.
Man nehme ein natürliche Landschaft, ein der Natur verbundenes Eingeborenenvolk und die das Idyll aufgrund von Habgier bedrohende, technisch überlegene Volk. Der wilde Westen der Sci-Fi-Neuzeit ist ein Planet namens Pandora, der mit üppiger Pflanzenpracht und Tiervielfalt daher kommt, für Menschen ohne spezielle Maske aber rein recht unwirtliches Gelände ist. Die Ureinwohner sind die sogenannten Navi, menschenähnliche, blaue Kreaturen mit ausgeprägtem Hang zur Natur.
Die modernen Cowboys sind die Ausgesandten der Firma RDA, die auf Pandora einen extrem wertvollen Rohstoff abbaut. Der querschnittsgelähmte Marine Jack Sully heuert bei RDA an, um die Arbeit seines verstorbenen Bruders fortzuführen. Dessen Aufgabe war es, einen Avatar zu steuern. Avatare sind Kreuzungen der einheimischen Navi und menschlicher DNS, mittels eines Link kann Jack Sully seinen Avatar kontrollieren und steuern.
Schnell gerät Sully bei seinen Ausflügen auf Pandora in Konflikt mit den divergierenden Interessen innerhalb der RDA. Das ursprünglich als Forschungsprojekt konzipierte Avatar-Programm versucht der Sicherheitschef der Firma, Col. Quaritch für seine militärischen Pläne zur Bekämpfung der Navi zu nutzen.
Doch Sully weiß bald nicht mehr nur, welcher Partei bei RDA er sich bei seinem Tun mehr verpflichtet fühlen soll, auch seine generellen Überzeugungen von der Richtigkeit der Vorgehensweise der RDA auf Pandora geraten durch seine Integration im Volk der Omaticaya mehr und mehr ins Wanken.
Zwölf Jahre lang musste die Filmwelt warten auf ein neues Werk von James Cameron. Zwölf Jahre, nach dem der Kanadier triumphal das Schiffskoloss Titanic in den eisigen Tiefen des Ozeans versinken ließ, ist es nun sein neuer Film Avatar, der sich Ende des scheidenden Jahrzehnts anschickt, den Erfolg von dem bis dato erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten, Titanic zu übertreffen. Bestmarken sind Camerons Welt, bescheidene 1,8 Milliarden US-Dollar spielte Titanic ein, da sind die Ansprüche gewaltig.
Doch das jahrelange Warten hat sich gelohnt. Avatar besticht auf allen Ebenen, und schafft das, was Roland Emmerich mit 2012 versuchte und auf hohem Niveau scheiterte. In den wahrscheinlich kurzweiligsten 161 Minuten der Filmgeschichte zeigt Avatar, was Kino 2009 sein kann und wohin die Reise in Zukunft geht. Bildgewaltig inszeniert Cameron auf Pandora eine Landschaft, die in der Filmgeschichte ihresgleichen sucht. Farbenpracht, Liebe zum Detail, die zwei dominierenden Umgebungen Natur vs. Technokratisches RDA-Umfeld, das alles harmonisiert derart perfekt, dass man aus dem Stauen kaum mehr raus kommt. Die Krone setzt diesem Abenteuer aber erst der 3D-Effekt auf, der erstmals sein Geld wirklich mehr als wert ist. Die entstehende Räumlichkeit, verbunden mit einer ungeahnten Konturenschärfe und Plastizität haut einen bei dieser Bildgewalt schlicht aus dem Kinosessel.
Doch kein Film funktioniert über so eine lange Zeit, wenn er nicht auch inhaltlich hohen Ansprüchen gerecht werden würde. Das schon angesprochene Westernschema wird hier in ferner Zukunft, die Handlung spielt 2154, spannend und unterhaltsam inszeniert. Natürlich ist es kein mit Überraschungen gespickter Film, aber die Story ist durchweg gut erzählt und lässt keine Fragen offen.
Bei all der Technik, die in Avatar zum Einsatz kommt und nicht genug gelobt werden kann, darf aber auch der Blick auf die schauspielerische Leistung der Protagonisten nicht vergessen werden. Ex-Marine Jack Sully wird von Sam Worthington großartig gespielt, sein Wandel, optisch wie menschlich, steht sinnbildlich für die Entwicklung des Films, die beiden unterschiedlichen Gesichter verkörpert Worthington hervorragend.
Forschungsleiterin Dr. Grace Augustine wird gespielt von Sigourney Weaver, der die Rolle auf den Leib geschneidert wirkt, etwas befremdlich wirkt sie höchstens in ihren Ausflügen im eigenen Avatar.
Generell ist es so, dass man den verschiedenen, stereotypischen Charakteren ideale Schauspieler zugewiesen hat, die man intuitiv mit den entsprechenden Konnotationen versieht: so gibt Stephen Lang den bösen Macho Col. Quaritch derart finster, dass man kaum umhin kommt, die Abneigung in 3D zu erfassen. Die schrobe Helipilotin konnte da nur Michelle Rodriguez sein, und auch RDA-Chef Selfridge ist mit dem schlitzohrigen Giovanni Ribisi sehr gut besetzt.
Es bleibt eigentlich nicht viel zu sagen, außer das Avatar das Beste ist, was Kino derzeit zu bieten hat. Ob man derartige Filme mag, sei dahingestellt, doch besser gemacht war ein Film in der jüngeren Vergangenheit nicht. Avatar übertrifft in allen Belangen die zu Recht hohen Erwartungen und weiß zu begeistern, applaudierendes Publikum im Kinosaal inbegriffen. Unbedingt anschauen, am besten in 3D!
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www.kinos-in-mannheim.de